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Die Zeit im Nationalsozialismus bis 1938

Machtübernahme und systematische Ausgrenzung

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann die systematische Verdrängung von Juden aus allen Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft aber auch ihren Wohnungen. Den ersten Boykott jüdischer Geschäfte gab es bereits am 1. April 1933. Am 7. wurden jüdische Beamte entlassen und jüdischen Rechtsanwälten und Ärzten der Kassenärztlichen Vereinigung die Zulassung entzogen.

Der Druck auf die jüdische Bevölkerung nahm bis 1938 stetig zu. Die Definition davon, wer als nicht-jüdisch oder welcher Betrieb als jüdisch einzustufen ist, war nicht von Beginn an klar. Gab es Zweifel, wurden die Reichsstelle für Sippenforschung oder kirchliche Einrichtungen und ihre Taufregister herangezogen. Viele jüdische Geschäftsleute versuchten über Nichtjuden und sogenannte Auslandsdeutsche im Vorstand ihrer Aktiengesellschaften den Anschein einer Übergabe in ‚arische‘ Hände zu erwecken.

Die Nürnberger Gesetze von 1935 verboten sogenannte Mischehen mit Juden (‚Blutschutzgesetz‘) und das Hissen von Hakenkreuz-, Reichs- und Nationalflaggen (‚Reichsflaggengesetz‘) durch jüdische Betriebe. Den Status eines Reichsbürgers mit allen dazugehörigen Rechten, bekam man nur als „Staatsangehörige[r] deutschen oder artverwandten Blutes“ (‚Reichsbürgergesetz‘).

In den Akten des Schocken-Konzerns finden sich unzählige Zeitungsausschnitte, die die immer mehr werdenden Verbote und Verkäufe jüdischer Unternehmen dokumentieren. Ab 1938 wurde mit zunehmender Anwendung physischer Gewalt zwangsweise enteignet.

Demolierte Schaufenster beim Kaufhaus Wertheim Oktober 1933

Titel: Demolierte Schaufenster beim Kaufhaus Wertheim Oktober 1933
Datierung: 10.1933
Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10560

Titelblatt des Deutschen Reichsanzeigers und Preußischen Staatsanzeigers vom Abend des 16. September 1935

Titel: Titelblatt des Deutschen Reichsanzeigers und Preußischen Staatsanzeigers 
vom Abend des 16. September 1935. 
Mit der Hauptüberschrift: Der Reichstag zu Nürnberg. 
Flaggengesetzt – Reichsbürgergesetz. – Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre.
Datierung: 16.09.1935
Foto: Akte 272, smac/LfA
 

Literatur

Hannah Ahlheim, Deutsche, kauft nicht bei Juden! Antisemitismus und politischer Boykott in Deutschland 1924 bis 1935, Göttingen 2011.

Von Prangertafeln und Boykott

Wie viele andere jüdische Geschäftsleute hat auch Salman Schocken versucht, seinen Konzern zu retten, indem er ihn zunächst eine Aktiengesellschaft umwandelte und später die Mehrheitsanteile im Sommer 1936 in englischen und der Rest Anfang 1938 holländischen Besitz übergegangen sind. Gleichzeitig ist Schocken aber 1934 nach Palästina ausgewandert, sein Sohn Theodor hat vorerst übernommen.

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