Die Schocken-Familie in Sachsen
Titel: Salman Schocken (1877–1959)
Foto: Wikimedia, Alfred Bernheim, gemeinfrei
Die Brüder Simon (1874–1929, 2) und Salman Schocken (1877–1959, 3) stammten aus Margonin/Posen. Wie viele andere Kaufmänner waren sie Juden. Neben ihren kaufmännischen Tätigkeiten engagierten sie sich zeitlebens sozial, religiös und kulturell. Vor allem Salman ist als Sammler und Förderer jüdischer Kultur bekannt.
Simon Schocken leitete für Moritz und Julius Ury sehr erfolgreich das Warenhaus Ury Gebrüder in Zwickau, nachdem er in die Familie eingeheiratet hatte. Salman Schocken stieg bald darauf ins Geschäft ein und beide gründeten 1904 ihr erstes gemeinsames Kaufhaus in Oelsnitz und 1907 die Firma I. Schocken Söhne Zwickau, die damals aus den zwei genannten Häusern bestand. Hinzu kam eine Einkaufszentrale, von der das Zwickauer und das Oelsnitzer Haus beliefert wurden.
Titel: Simon Schocken (1874–1929)
Foto: Privat
Sachsen bot sich damals als Expansionsgebiet an: Als aufstrebende Industrieregion mit steigenden Löhnen, versprach es dauerhaft solvente Kundschaft. Da war es nur logisch, dass weitere Häuser in Aue, Planitz, Meißen und Frankenberg eröffnet wurden, wobei Großstädte erst einmal ausgespart blieben. Auch wenn der deutliche Schwerpunkt auf Sachsen lag, kamen damals auch Häuser in Zerbst und Cottbus dazu.
Nach dem Ersten Weltkrieg, der weitere Häuser verhindert hatte, expandierten die Brüder weiter und es kamen auch Häuser außerhalb Sachsens und in Großstädten hinzu. Das Unternehmen firmierte ab 1921 als Kommanditgesellschaft auf Aktien. Die Einkaufszentrale blieb als I. Schocken Söhne eine offene Handelsgesellschaft. Als Simon Schocken 1929 an den Folgen eines Autounfalls starb, war der Schocken-Konzern der fünft größte Warenhauskonzern Deutschlands.
Titel: Aktie der Merkur Aktiengesellschaft
Datierung: Oktober 1941
Foto: smac/LfA
1939 kam die Umbenennung in Merkur (1). Organisatorisch blieb vieles beim Alten, oft findet sich lediglich der andere Name auf den Formularen. Der Konzern kam verhältnismäßig gut durch die Kriegsjahre. Nach 1945 lagen die Häuser in unterschiedlichen Besatzungszonen. In Ostdeutschland wurde der Konzern enteignet und zum Volkseigentum. Die Rückgabe erfolgte erst nach 1990. Die Häuser in Westdeutschland erhielt Salman Schocken nach dem Krieg zurück. Trotz einer positiven Entwicklung verkaufte er schließlich 1953 an Merkur, Horten & Co.
Literatur
Konrad Fuchs, Ein Konzern aus Sachsen. Das Kaufhaus Schocken als Spiegelbild deutscher Wirtschaft und Politik 1901 bis 1953, Stuttgart 1990; Norbert Peschke, Der Zwickauer Schocken-Konzern, in: Sächsische Heimatblätter. Zeitschrift für sächsische Geschichte, Denkmalpflege, Natur und Umwelt 47, 2001, S. 319–332; Antje Borrmann, Doreen Mölders, Sabine Wolfram (Hrsg.), Konsum und Gestalt. Leben und Werk von Salman Schocken und Erich Mendelsohn vor 1933 und im Exil, Berlin 2016; Stefanie Mahrer, Salman Schocken. Topographien eines Lebens. Jüdische Kulturgeschichte in der Moderne, Berlin 2021