Der 10.11.1938
Die November-pogrome im Deutschen Reich
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 kam es deutschlandweit zu Angriffen gegen Juden und ihre Einrichtungen. Die gewalttätigen Aktionen waren von Nationalsozialisten gesteuert, sollten aber durch das Tragen von Zivilkleidung den Anschein erwecken, dass sie aus der Bevölkerung selbst kamen. Als Auslöser wurde ein Attentat am 7. November auf einen deutschen Diplomaten durch einen jüdischen Jugendlichen von den Nationalsozialisten publik gemacht (2). Bei den Überfällen selbst starben schätzungsweise 1000 bis 2000 Juden, wurden 1400 Synagogen und Gebetsräume in Brand gesteckt und unzählige Wohnungen und Friedhöfe angegriffen. Tausende jüdische Geschäfte und Kaufhäuser waren ebenfalls gezielt Opfer von Anschlägen und Plünderungen.
Bereits am 10. November begann die Verhaftung von etwa 30000 jüngeren vermögenden jüdischen Männern. Die meisten von ihnen konnten bis 1939 gegen eine Ausreisezusicherung das Land lebend verlassen. Viele starben jedoch auch in den Konzentrationslagern in Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau. Mit den Aktionen dieser Novemberpogrome wurde die Schwelle vom gesetzlichen Antisemitismus hin zur offenen systematischen Enteignung und Tötung überschritten. Eine Auswanderungswelle der jüdischen Bevölkerung bis dahin ungekannten Ausmaßes ergriff das Deutsche Reich.
Literatur
Raphael Gross, November 1938. Die Katastrophe vor der Katastrophe, München 2013.
Aus den Akten rekonstruiert es sich wie folgt: Im Verlaufe des 10.11.1938 kam es an den Kaufhäusern des Schocken-Konzerns zu Überfällen, bei denen es Schäden an den Schaufenstern, der Einrichtung und den Waren gab. Überall positionierte Wachdienste haben wohl Schlimmeres verhindert. Die Angestellten haben Überstunden gemacht, um die Schäden zu beheben und Zerstörtes zu beseitigen. In den folgenden Tagen sind die Schäden beseitigt und Meldungen über die Höhe der Schäden an die Zentrale gemacht worden, auch um sie an die Versicherung weiterzuleiten.