zum Inhalt springen
zum Inhalt springen

„Wegen Arisierung geschlossen“

Ein zerstörtes Geschäft in Magdeburg

Titel: Ein zerstörtes Geschäft in Magdeburg  
Datierung: 11.1938
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1970-083-42

Bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren Juden im Deutschen Reich mit antisemitischer Hetze konfrontiert. Doch ab 1933 wurden Juden mit staatlich orchestrierten Aktionen und Gesetzen ganz systematisch angefeindet. Die Schwelle zur körperlichen Gewalt wurde dann endgültig 1938 mit den Novemberpogromen überschritten. Wer konnte, ist zuvor aus Deutschland geflohen und hat seinen Besitz – in der Regel weit unter Wert – verkauft. Besonderes Interesse hatten die Nationalsozialisten daran, die großen Warenhauskonzerne, die traditionell in jüdischer Hand waren, in nicht-jüdische Hände zu überführen, was Ihnen auch gelang. Der ehemalige Schocken-Konzern wurde 1938 nach jahrelangen Bestrebungen, ihn vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen, unter Zwang verkauft.

Im Jahr 1938 noch vor den Novemberpogromen musste der Schockenkonzern schließlich an ein Bankenkonsortium verkauft werden. Ab 1939 firmierte er auch offiziell unter anderen Namen: Merkur und Hanse. Die Akten berichten – erschreckend sachlich – von dem Wandel über die Jahre, von neuen (antijüdischen) Gesetzen, und davon, dass der Erhalt der Firma auch in dieser Zeit unbedingt Ziel war. Auf einzigartige Weise lassen sich so die Veränderung im Reich und die firmeninternen Reaktionen und Auswirkungen nachzeichnen.

Literatur

Konrad Fuchs, Ein Konzern aus Sachsen. Das Kaufhaus Schocken als Spiegelbild deutscher Wirtschaft und Politik 1901 bis 1953, Stuttgart 1990; Christiane Fritsche und Johannes Paulmann (Hrsg.), »Arisierung« und »Wiedergutmachung« in deutschen Städten, Wien 2014; Marcel Boldorf und Jonas Scherner (Hrsg.), Handbuch Wirtschaft im Nationalsozialismus, Berlin 2023.

Titelblatt „Der Stürmer“

Titel: Titelblatt „Der Stürmer“
Datierung: 1932
Foto: : © IMW LBY JH. 92

Antijüdische Stimmung vor der Machtübernahme

Antijüdische Stimmung vor der Machtübernahme

Wie konnte sich Antisemitismus in Deutschland schon lange vor 1933 gesellschaftlich verankern? Ausgrenzung, Benachteiligung und Propaganda prägten bereits das 19. und frühe 20. Jahrhundert. Nach dem Ersten Weltkrieg verschärften wirtschaftliche Krisen die Lage zusätzlich, während Juden zunehmend zu Sündenböcken gemacht wurden. Mit dem Aufstieg der NSDAP gewannen antisemitische Kräfte weiter an Einfluss und prägten das politische Klima nachhaltig.

1933

Demolierte Schaufenster beim Kaufhaus Wertheim Oktober 1933

Titel: Demolierte Schaufenster beim Kaufhaus Wertheim Oktober 1933
Datierung: 10.1933
Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10560

Die Zeit im Nationalsozialismus

Die Zeit im Nationalsozialismus

Wie wurden jüdische Menschen nach 1933 systematisch aus Wirtschaft und Gesellschaft verdrängt? Boykotte, Berufsverbote und immer neue Gesetze führten zu einer schrittweisen Entrechtung, die mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 rechtlich verankert wurde. Gleichzeitig entstand ein bürokratisches System zur Definition jüdischer Zugehörigkeit von Unternehmen. Die Akten des Schocken-Konzerns zeigen, wie diese Entwicklung 1938 in offene Gewalt und Enteignung mündete.

bis

1938

Brief des Lieferanten zu Schallplatten mit Liedern der „nationalen Bewegung“ (Akte: 350)

Titel: Brief des Lieferanten zu Schallplatten mit Liedern der „nationalen Bewegung“
Akte: 350
Datierung: 13.04.1934

Die Welt der Waren

Die Welt der Waren

Wie beeinflussten nationalsozialistische Gesetze und Propaganda den Alltag im Warenhandel nach 1933? Produkte wurden nicht nur reguliert, sondern auch ideologisch aufgeladen, etwa durch Radioempfänger wie den Volksempfänger oder die DAF-Geräte. Schrittweise wurden Angebot, Präsentation und ganze Warengruppen für jüdische Händler verboten oder eingeschränkt. Die Akten verdeutlichen, wie unklare Vorgaben und neue Anweisungen des Reichswirtschaftsministeriums den Handel zunehmend politisierten und kontrollierten.

Titelblatt der Betriebszellenzeitung der Siemens-Betriebe in Nürnberg (Akte 314)

Titel: Titelblatt der Betriebszellenzeitung der Siemens-Betriebe in Nürnberg
Akte: 314
Datierung: 09.1933
Foto: smac/LfA

Die Deutsche Arbeitsfront

Die Deutsche Arbeitsfront

Wie wurden Gewerkschaften nach 1933 ausgeschaltet und durch die Deutsche Arbeitsfront ersetzt? Welche Rolle spielte die NSBO bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten? Und wie veränderte das „Führerprinzip“ die Organisation von Betrieben und Arbeitnehmern grundlegend? Mit der Auflösung der freien Gewerkschaften entstand eine zentral gesteuerte Einheitsorganisation, die Streikrecht und Mitbestimmung abschaffte. Die Akten zeigen, wie tief dieser Wandel in den Alltag der Betriebe eingriff und auch jüdische Unternehmen von innen heraus unter Druck setzte.

Brief der Adefa an das Kaufhaus Schocken in Stuttgart (Akte: 322)

Titel: Brief der Adefa an das Kaufhaus Schocken in Stuttgart
Akte: 322
Datierung: 14.05.1938

Adefa

Die Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Bekleidungsfabrikanten e. V.

Welche Rolle spielte die ADEFA als scheinbar harmloser Verein in der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik? Wie sollte die Bekleidungs- und Textilindustrie jüdische Unternehmer systematisch verdrängen? Und warum scheiterte sie zunächst trotz politischer Unterstützung durch das Reichswirtschaftsministerium? Erst ab 1937/38 verschärften sich die Bedingungen so stark, dass ihre Ziele konsequent durchgesetzt wurden. Ein Einnähetikett mit dem Hinweis „Ware aus arischer Hand“ machte die ideologische Kontrolle sichtbar und griff tief in Produktions- und Handelsketten ein. Die Akten zeigen, wie sich hinter einem Vereinsnamen ein Instrument der wirtschaftlichen Ausgrenzung verbarg.

Adefa

Zeitungsartikel aus der Frankfurter Zeitung (Akte: 272)

Titel: Zeitungsartikel aus der Frankfurter Zeitung
Akte: 272
Datierung: 17.06.1938

Das Jahr 1938

Das Jahr

Wie wurde die Vertreibung jüdischer Unternehmer aus der deutschen Wirtschaft ab 1938 konkret umgesetzt? Welche Rolle spielten dabei neue Verordnungen, Banken und staatliche Stellen beim erzwungenen Verkauf von Betrieben? Und wie schnell wurde aus politischem Druck eine systematische Enteignung mit rechtlicher Grundlage? Die Akten zeigen anhand von Zeitungsanzeigen und Dokumenten, wie Übernahmen öffentlich gemacht und legitimiert wurden. Mit den Novemberpogromen und den anschließenden Verordnungen erreichte die Ausgrenzung ihren Höhepunkt und wurde in ein bürokratisch organisiertes System der Enteignung überführt.

1938

Die Chemnitzer Synagoge brennt

Titel: Die Chemnitzer Synagoge brennt
Datierung: 09.11.1938
Foto: Original unbekannt

Novemberpogrome

Der 10.11.1938

Was geschah in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im Deutschen Reich und wie kam es zu dieser Eskalation? Wie wurden die Novemberpogrome gezielt inszeniert und gleichzeitig als „spontane“ Aktionen der Bevölkerung dargestellt? Welche Folgen hatten die Angriffe auf Synagogen, Wohnungen und jüdische Geschäfte für die Betroffenen? In dieser Nacht wurde Gewalt gegen Juden im gesamten Reich systematisch organisiert und tausende Einrichtungen zerstört. Die Ereignisse zeigen den Übergang von Diskriminierung zu offenem Terror in nie dagewesenem Ausmaß. Auch die Kaufhäuser des ehemaligen Schocken-Konzerns waren von den Überfällen betroffen.

Artikel aus der Zeitung „Überblick“ (Akte: 446)

Titel: Artikel aus der Zeitung „Überblick“
Akte: 446
Datierung: 21.04.1941

Die Nationalsozialisten und die Kaufhäuser

Die Nationalsozialisten und die Kaufhäuser

Warum standen Kaufhäuser bereits früh im Fokus nationalsozialistischer Propaganda und Kritik? Wie wurden große jüdische Warenhauskonzerne nach 1933 systematisch übernommen und umbenannt? Und welche Rolle spielten Banken und Aktionäre bei diesen Zwangsverkäufen? Aus bekannten Namen wie Tietz oder Alsberg gingen neue Handelskonzerne hervor. Hinter den scheinbar normalen Geschäftsübernahmen verbarg sich ein gezielter Prozess von Enteignung, Entlassungen und ideologischer Umformung des Handels.

Titelblatt des „Der Stürmer“

Titel: Titelblatt des „Der Stürmer“
Datierung: 1936
Foto: © IMW LBY 99 / 530

Die Sprache der Nationalsozialisten

Die Sprache der Nationalsozialisten

Wie wurde Sprache im Nationalsozialismus gezielt als politisches Instrument eingesetzt? Welche Rolle spielten Medien, Schulen und Gesetze bei der Verbreitung ideologisch geprägter Begriffe? Und wie veränderte sich dadurch der alltägliche Wortgebrauch bis hin zu heutigen Sprachresten? Die Akten zeigen, wie Begriffe wie „Reich“, „Volk“ oder „arisch“ aufgeladen und neue Wortschöpfungen ideologisch geprägt wurden. Gleichzeitig wurden technische, biologische und militärische Metaphern genutzt, um Menschen zu entmenschlichen und politische Inhalte zu verstärken. Sprache wurde so zu einem zentralen Werkzeug der Gleichschaltung und Propaganda.

Eine von vielen Traueranzeigen in den Akten (Akte: 453)

Titel: Eine von vielen Traueranzeigen in den Akten
Akte: 453
Datierung: 07.02.1945

Der Zweite Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg

Wann begann der Zweite Weltkrieg und welche politischen und militärischen Entwicklungen führten zu seiner Eskalation? Wie wurde die deutsche Wirtschaft vollständig auf Kriegsproduktion umgestellt und welche Auswirkungen hatte das auf den Alltag der Bevölkerung? Mit dem Überfall auf Polen 1939 begann ein globaler Konflikt, der über 60 Staaten erfasste und Millionen Menschenleben forderte. Die Akten zeigen die zunehmende Zerstörung deutscher Städte durch alliierte Luftangriffe und den wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Ausnahmezustand. Die Niederlage bei Stalingrad und die Landungen der Alliierten markierten schließlich die Wende bis zur bedingungslosen Kapitulation 1945.

Notiz der Geschäftsleitung (Akte: 453)

Titel: Notiz der Geschäftsleitung
Akte: 453
Datierung: 05.08.1947

Das Ende des Schocken-Konzerns in Sachsen

Das Ende des Schocken-Konzerns in Sachsen

Wie wurde Deutschland nach 1945 aufgeteilt und was bedeutete das für die ehemaligen Schocken- bzw. Merkur-Kaufhäuser? Welche Unterschiede ergaben sich zwischen West- und Ostdeutschland bei der Rückerstattung und Enteignung von Eigentum? Und wie kam es in der sowjetischen Besatzungszone zu einer erneuten Enteignung unter dem Vorwurf der „Kriegsverbrecher“-Eigenschaft? Nach Kriegsende lag der Großteil der Häuser in der späteren DDR, wo im Krieg nur wenige Standorte zerstört wurden. Während Salman Schocken im Westen Teile seines Unternehmens zurückerhielt, wurden die Betriebe im Osten erneut enteignet. Die Akten zeigen dabei auch die politischen und rechtlichen Grundlagen dieser tiefgreifenden Umbrüche.